Die Dämmerung bricht ein.
Über dem Boden schwebt ein sanfter Nebelschleier
Es riecht nach Harz und einer milden Herbstnacht.
Immer wieder kitzelt mich ein leichter Windhauch im Gesicht.

Ich stehe mitten drin.
Inmitten von hohen, kräftigen Bäumen. Ein Schutzschild. Und doch der Laune des Menschen ausgesetzt.

Obwohl ich diesen Ort selbst gewählt habe, wird mir in diesem Moment etwas flau im Magen.
Der Himmel wird von einer immer dunkler wirkenden Gestalt überzogen. Sie schleicht sich an.
Nicht von einer bestimmten Seite.
Von überall her.
Daraus zu flüchten wird unmöglich sein.
Das Tageslicht, das mir den sicheren Weg weist, scheint immer mehr zerdrückt zu werden.

Vor mir ein langer Weg. Ich sehe nicht genau, wie lange er ist. Aber ich weiss, dass er sich nicht so schnell beenden lässt.
Ein Weg bestückt mit Wurzeln, Steinen und Bäumen, feuchtem Laub und Wasserpfützen.
Jedes dieser Hindernisse hat seine eigene Geschichte. Es liegt in meiner Entscheidung, welche und wie viele ich davon hinter mich lasse und für welche ich einen Alternativweg einschlage.
Zum jetzigen Zeitpunkt weiss ich nicht, ob und welche Personen meine Weggabelungen ebenfalls kreuzen werden.
Würde ich genau diese Wege gehen, wenn ich es zuvor erfahre?

Der Nebelschleier findet seinen Weg mittlerweile bis zu meinen Knien. Verschlungen, in zwei Hälften unterteilt und doch stehe ich noch als Ganzes da.
Mit den Gedanken ringend drehe ich mich um meine eigene Achse. Mir war, als hörte ich ein Knacken. Ich versuche mich zu beruhigen, indem ich mir einrede, dass nur ein kleines Tier die Nähe sucht. Doch Täuschungen haben auch ihren Platz in unserem Dasein. Ungelegen und doch eine Lektion fürs Leben.

Mit zaghaften Schritten komme ich in Bewegung.
Die ersten Sterne zaubern ein Funkeln am Himmel.
Das Spiel zwischen dem nachtblauen Himmel und den goldglänzenden Diamanten ist immer wieder eine Beobachtung und ein Moment des Innehaltens wert.
Das Spiel unserer Natur und die Erinnerung daran, dass auch in dunklen Zeiten helle Momente auftauchen können.
Es braucht vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit, aber die Erkenntnis sagt danke.

Mit dem Unwissen, über wie viele Wurzeln ich steigen muss, versuche ich einen Rhythmus des Gehens zu finden.
Was geschieht, wenn ich eine übersehe und falle? Welche Narben bleiben dann als Erinnerung?
Erinnerungen an einen schwachen Moment. Doch können aus schwachen Momenten ein starker Wille und dankbare Chancen heranwachsen.

Schritt für Schritt begebe ich mich weiter in dieses Abenteuer.
Andere werden vielleicht darüber lachen, wenn ich ihnen von diesem Erlebnis erzählen würde. Doch keiner davon hat mich in diesem Moment begleitet. Mit welcher Begründung sollte ich dann das Gelächter ertragen müssen?

Ohne Erwartung, was in den kommenden Minuten auf mich zutreffen könnte, gehe ich mit vorsichtigen Schritten weiter.
Immer mal wieder ist ein Rascheln zu hören. Nicht genau lokalisierbar und doch so nah.
Ist es eine Suche nach Aufmerksamkeit oder eine Mutprobe, um zu sehen, ob die Füsse auch mal ausserhalb des gepfadeten Weges abgesetzt werden
Wer mutig sein will, muss Wege einschlagen, die ihm unbekannt sind.
Und doch stellt sich die Frage: Macht er es für die anderen oder für sich selbst?

Mein Zeitgefühl schwindet immer mehr.
Ich weiss nicht mehr so genau, wie lange ich schon unterwegs bin, wie lange es noch dauern wird und welche Hindernisse ich noch zu überwinden habe.
Es erscheint mir aber viel wichtiger, darauf zu vertrauen, dass der richtige Zeitpunkt kommen wird, um in Sicherheit zu sein.

larissa

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