Ich hoffe sehr, du konntest aus den ersten beiden Artikeln bereits ein paar gute Informationen rausnehmen. Diese waren ziemlich theoretisch. Im ersten Teil konntest du grundlegende Fakten über das Burnout lesen und du hast einen ungefähren Rahmen zur Entstehung bekommen. Im zweiten Teil machten wir einen kurzen Tauchgang in das Stressgeschehen und ich habe dir ein paar Auswirkungen des Burnouts vorgestellt. 

Punkt. Reden ist Silber, machen ist Gold. 

Fangen wir an.

Stressless-Tipp #1
Gewinne einen Zugang zu deinem Körper!
Sind wir ehrlich: Wir haben uns selbst total verloren. Wir funktionieren einfach nur noch so durch den Tag hindurch. Da können wir die Zeichen unseres Körpers gar nicht mehr hören – wie auch?! Dabei ist genau das der Anfang. Unser Körper sendet uns früh genug Warnsignale, die auf ein Unwohlsein hindeuten. Wenn du ein Gespür dafür bekommst, kannst du schneller und sicher handeln. 
Es gibt sehr viele Techniken und Massnahmen, die die Nähe zu deinem Körper wieder aufbauen können. Ein guter Anfang machst du schon zu Beginn des Tages, in dem du zum Beispiel beim Erwachen, noch bevor du aufstehst, deine Aufmerksamkeit bewusst in dein Inneres lenkst und dein Körper als Ganzes wahrnimmst. Wenn du dich schon beim Tagesstart mit deinem Körper verbindest, bleibt diese Bindung bestehen und du bist bei dir selbst. Wenn du das regelmässig über einen längeren Zeitraum machst, wirst du beeindruckende Veränderungen wahrnehmen können. 

Stressless-Tipp #2
Setze klare Grenzen.
Oh Boy, glaub mir, ich weiss genau wie schwer das ist. Aber es ist so wichtig und wie es viele meinen: ÜBERHAUPT NICHT EGOISTISCH! Im Gegenteil – wenn du dich abgrenzen kannst und dadurch mehr Energie, Nerven und einen klaren Kopf für die relevanten Dinge hast, bist du für dein Umfeld schlussendlich die bessere Hilfe. 
Hinterfrage dich in diesen spezifischen Situationen, in denen du bemerkst, dass du dich wieder zu weit aus dem Fenster gelehnt hast. Frage mal nach: «Wenn ich das jetzt an mich ran lasse, was hat das Gegenüber wirklich davon, was hab ich davon? Kann ich da wirklich Einfluss nehmen, wenn ich das auch noch zu meinem Problem mache? 
Sowohl deine als auch die Eigenverantwortung anderer wird gefördert, wenn klare Grenzen gesetzt werden. Und um das geht es sehr, sehr oft auch: Jeder entscheidet selbst, wie er handelt und trägt stets die volle Verantwortung, die er keinem übertragen kann. 

Stressless-Tipp #3
Pausen sind erlaubt.
Es ist nicht möglich, 12 Stunden durchzuackern. Auch du schaffst das nicht. Musst du auch nicht. Unterbreche diesen Teufelskreis, in dem du dir mehrere kleine Pausen über den Tag verteilt gönnst. Es braucht nicht viel an Zeit – 2 Minuten reichen da schon aus. Bring deine Aufgabe zu Ende, steh dann kurz auf und trink ein Glas Wasser oder öffne kurz das Fenster. Grenz dich von dieser Aufgabe ab und mach dich bereit für die nächste Herausforderung. 

Stressless-Tipp #4
Eigne dir ein für dich passendes Entspannungsverfahren an. 
Ein Entspannungsverfahren hilft dir nicht einfach nur, entspannt zu sein. Nein, es ist viel mehr! Es ist eine Schule über dein Leben. Das Verfahren ist der Schlüssel zu deinem Körper und du lernst, diesen richtig zu drehen, damit das Lebenstor aufgeht. Du verschaffst dir dabei Zugang zu deinen inneren Bedürfnissen und lernst, diese richtig zu interpretieren und in «Gefahrensituationen» richtig zu intervenieren. Ganz nebenbei senkst du dein inneres Anspannungslevel und beugst damit vielen stressbedingten Krankheiten vor. Es ist wichtig, dass du das passende Verfahren für dich findest und korrekt erlernst. Deshalb empfehle ich dir die Zusammenarbeit mit einer gut ausgebildeten Fachperson, die dich auf diesem Weg kompetent begleitet. 

Stressless-Tipp #5
Zeit für dich und mit dir.
Kannst du dich selbst aushalten? 
Viele stürzten sich in die Arbeit, weil sie vor sich selbst flüchten. Das ist ebenfalls ein nie endender Teufelskreis. Unterbreche diesen und lerne dich selbst wieder kennen, in dem du Zeit mit dir verbringst. Das kann gerade zu Beginn sehr anstrengend sein aber du gewinnst an sehr vielen Erkenntnissen. Vielleicht findest du dabei plötzlich heraus, was dir wirklich wichtig ist im Leben oder du entdeckst ein neues Hobby, in dem du völlig aufgehst. Auch damit verschaffst du dir einen Zugang zu dir und deinem Körper, was dir in manch einer Situation sehr zu Gute kommt. 

Stressless-Tipp #6
Lass weg, was dir nicht gut tut.
Ist es nicht so, dass wir ständig darüber nachdenken, was wir noch machen könnten, damit es besser geht? Was können wir noch dazunehmen, damit es uns gut geht? Versuche doch mal, das Ganze um 180 Grad zu drehen. Was von all dem kann ich weglassen, damit ich entlastet werde? 
Wir leben in einem Überkonsum. Alles steht uns zur Vergügung. Entsprechend schaffen wir uns immer mehr und mehr an. Das sind alles Steine, die wir in unseren Rucksack packen, den wir den Berg hoch tragen müssen. Ist es nicht angenehmer mit einem leichteren Rucksack zu wandern und die Bergwelt mit weniger Ballast geniessen zu können? 

Stressless-Tipp #7
Mach deinen Mund auf.
Zusammenzubrechen und nicht mehr funktionieren zu können, wann man es sollte, ist für die meisten von uns ein Zeichen von Schwäche. Deshalb verstecken wir es so lange, bis wir innerlich überfluten und es irgendwann zum Zusammenbruch kommt. Frage dich einmal: «Zeugt es nicht von Stärke, wenn ich mir selbst zugestehen kann, dass ich JETZT Hilfe brauche?»
Dein Umfeld wird dir alles andere als Schwäche vorwerfen – im Gegenteil, es will an deinem Leben teilhaben. Lass dies auch zu. Sprich frühzeitig über dein Befinden oder deine Ängste. Sie werden es dir danken und du wirst es dir über alles betrachtet auch danken. 

Stressless-Tipp #8
Und noch viel mehr.
Es gäbe noch so viele Kleinigkeiten, die zur Prävention beitragen. Aber denen bist du vermutlich bei der Suche im Internet ebenfalls schon lange begegnet. Und wenn du ausserdem die oben genannten Tipps verinnerlichst, kommst du automatisch auf den ganzen Rest. Trotzdem mache ich dir noch eine kleine Gedankensstütze und liste ein paar gängige Strategien auf.

  • Lass die Arbeit auf der Arbeit und das Private im Privaten
  • Schule dich in der Achtsamkeit
  • Baue Bewegung in deinen Alltag ein (Nicht auf Leistung sondern auf Vergnügen!!)
  • Sage nein, wenn dir nicht danach ist
  • Führe Tagebuch
  • Reduzieren deine Erreichbarkeit
  • Verschaffe dir einen passenden Rückzugsort
  • Pflege eine klare Kommunikation
  • uvm.

Vielleicht habe ich einen für dich ganz wichtigen Input ausgelassen? Dann lade ich dich gerne dazu ein, dich mittels einem Kommentar mitzuteilen 🙂 

Persönliche Stellungnahme
Während des letzten Jahres habe ich mit einigen Betroffenen gesprochen und auch Gespräche mit solchen geführt, die Betroffene betreuen. Immer mal wieder war ich der Fassungslosigkeit nahe und erkannte, wie das Leben eines liebevollen Menschen, der ja eigentlich «nur» helfen und es allen recht machen will komplett auf den Kopf gestellt werden kann. Es kam auch schon vor, dass ich nach einem sehr ausführlichen Gespräch mit einem Betroffenen komplett erschöpft war und die Tränen nicht mehr zurück halten konnte. Diese körperliche und mentale Reaktion signalisierte mir so einiges. Doch bin ich überzeugt davon, dass wenn die Menschen ihr inneres Ohr wieder aktivieren und aus diesem Strom des ständigen Funktionierens ausbrechen, viele Leidensgeschichten gar nicht erst entstehen.
In einem bin ich mir sicher: Mit etwas mehr Respekt, Akzeptanz, Toleranz und Mitgefühl uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber, machen wir einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung!

Wenn ich dich mit dieser Artikelserie etwas zum Nachdenken gebracht habe und dich, wenn auch nur etwas, dafür sensibilisieren konnte, dann freut mich das.

Perform now, change forever!

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