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Neulich bei einer Recherche für mein Projekt bin ich auf interessante aber erschreckende Fakten gestossen in Zusammenhang mit einem Themenbereich, der noch viel zu sehr vernachlässigt wird. Diese Tatsache hat mich zum heutigen Artikel inspiriert. 

Lass dich einstimmen.

Wie viele Mitarbeiter arbeiten mit dir zusammen?
Und wie viele davon leiden an regelmässigen Kopfschmerzen oder an Migräne?
Was glaubst du, was es ein Unternehmen kostet, wenn ein Mitarbeiter zwei Tage Zuhause bleiben muss aufgrund eines akuten Migräneanfalls? 
Und das rechnest du jetzt mal aufs Jahr hoch, wenn im Durchschnitt jeder betroffene Mitarbeiter 1x im Monat für zwei Tage ausfällt.
Jetzt ahnst du wahrscheinlich schon, um was es gehen könnte. 

Die Migräne gehört zu den häufigsten chronischen Leiden mit einer sehr hohen volkswirtschaftlichen Bedeutung. Für ein Unternehmen ergeben das in Summen äusserst hohe Kosten durch Arbeitsausfall oder Leistungseinbruch der Betroffenen. Trotz dieser Tatsache wird dieser Gesundheitsproblematik noch immer zu wenig Beachtung geschenkt. Und das obwohl sie die am weitesten verbreitete darstellt. Dies ist einem der jüngsten Berichte der WHO (Weltgesundheitsorganisation) zu entnehmen. Aber warum ist das so? Weshalb wird ein derart kostenspieliges Problem so stark in den Hintergrund gedrängt?
Eine Erklärung dafür erscheint mir als sehr plausibel und lässt sich immer mal wieder gut beobachten. 
Für jemanden, der noch nie an einer Migräne lit oder sich nicht vorstellen kann, was chronische Kopfschmerzen sind, kann ein Migräniker schnell mal als sehr sensibel oder sogar als Simulant wirken. «Ach komm schon, nur weil dein Kopf ein bisschen brummt, kannst du jetzt nicht mehr arbeiten?» Das Problem wird dadurch nicht wirklich ernst genommen. Dies zwingt ein Betroffener dazu, sein Anliegen zu verdrängen oder zu überspielen und er versucht mit seinen Beschwerden alleine zurechtzukommen oder sogar alleine zu beheben. Oftmals arbeiten sie trotz eines akuten Anfalls weiter, können aber nicht die volle Arbeitsleistung erbringen. Das kann zur Folge haben, dass sich die Stimmung innerhalb eines Teams stetig verschlechtert oder anspannt. Der Migräniker gerät dadurch noch mehr unter Druck und läuft grosse Gefahr, sich in eine Negativspirale hineinzudrehen. 
Doch auch wenn viele der Betroffenen eigentlich als sehr robuste, leistungsstarke und ausdauernde Menschen in einem Unternehmen geschätzt werden, können auch diese irgendwann einmal diesem Druck nicht mehr standhalten und fallen aus. Mit welchen Kosten muss da tatsächlich kalkuliert werden?
Eine Studie des Universitätspitals Zürich liefert Antworten auf diese Frage. Laut dieser und weiteren Statistiken ergeben sich, achtung jetzt kommts…..
Es ergeben sich aufgrund der Migräne ca. 2.2 Mio Arbeitstage durch Ausfall, die eine stolze Summe von ca. CHF 300 Mio. Kosten verursachen. Dabei sind die Kosten, die durch Leistungsabfall entstehen noch nicht miteingerechnet. Ein weiterer Faktor, der eingerechnet werden muss, sind die entstehenden Kosten, wenn ein Mitarbeiter seinen Job wechseln muss. Autsch. Das tut einem Unternehmensherz ganz schön weh!
Dieser Herzschmerz würde sich aber eigentlich minimieren lassen. Im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements lassen sich Massnahmen treffen, die der unangenehmen Situation etwas entgegenwirken können. Zugegeben Betriebliches Gesundheitsmanagement klingt nach etwas Grossem, viel Arbeit, viel Aufwand, noch mehr Kosten und zusätzlichen Experten. Stimmt, in einem grossen Unternehmen mit einer BGM-Abteilung mag das zutreffen. Aber die kümmern sich dort auch noch um ganz viele andere Problematiken in Sachen Prävention und Gesundheitsförderung. Aber auch für kleinere Unternehmen oder Institutionen gibt es Möglichkeiten im kleinen Rahmen präventive Massnahmen zu ergreifen. 
Wie wäre es zum Beispiel einen internen Workshop anzubieten und sogleich Betroffene als auch das ganze Team zu integrieren und als gesamtes Unternehmen Massnahmen zu entwickeln? Das fördert nicht nur die Teamentwicklung, sondern auch das Verständnis für die Problematik und die Re-Integration der Betroffenen. Zur Erinnerung: Denkt an die Kosten, die entstehen, wenn das Ganze weiterhin unter den Teppich gekehrt wird. Tut weh, diese Summe dem Unternehmensgewinn am Ende des Jahres abziehen zu müssen.Vor allem dann, wenn es nicht unbedingt sein muss.  

Falls ein paar Inspirationen benötigt werden, gebe ich dir gerne den einen oder anderen Denkanstoss mit auf den Weg:
Aus Sicht des Betroffenen:

  • Was brauchst du, um dein Anliegen offen ansprechen zu können?
  • Hast du verborgene Ressourcen, die dir helfen könnten, besser mit der Migräne umgehen zu können?
  • In welchen Situationen fühlst du dich unwohl, erzeugen Stress in dir und fördern dadurch eine nächste Attacke?

Aus Sicht des Unternehmens / der Arbeitskollegen:

  • Wie reagiere ich als Vorgesetzter oder als Arbeitskollege, wenn ich bei meinen Mitarbeitern eine (kommende) Attacke bemerke?
  • Besteht Aufklärungsbedarf über diese Krankheit?
  • Welche Möglichkeiten stehen uns offen, die Attackenhäufigkeit / Arbeitsausfälle / Leistungsabfälle zu mindern?

Gerne möchte ich an dieser Stelle auf die Aktion Kopfwohl-Jobwohl hinweisen. Eine Kooperation zwischen einem Unternehmensberater, einem Coach und einem Arzt, die Unternehmen und deren Betroffene unterstützen. Finde ich eine coole Sache und würde dem einen oder anderen Unternehmen bestimmt eine grosse Hilfeleistung sein. Hier findest du mehr Informationen dazu. 

Die Möglichkeit möchte ich nutzen und den Artikel mit einem persönlichen Statement abschliessen. 
In meiner Recherche habe ich unter anderem gelesen, dass Menschen die sehr gewissenhaft sind und zu Perfektionismus neigen, oft auch unter chronischen Kopfschmerzen und Migräne leiden. Oft aus dem Grund, weil sie sich dadurch einem enormen inneren Druck aussetzen. Irgendwie konnte ich mich mit dieser Aussage identifizieren. Auch in der Aussage, dass viele ihr Leiden gar nicht erst ansprechen, sondern zu überspielen versuchen, erkenne ich mich wieder. Aber nicht weil ich Angst vor Boshaftigkeiten meiner Arbeitskollegen habe, sondern viel mehr weil ich den Anforderungen anderer und meinen eigenen stets entsprechen will und mir das von irgendwelchen Schmerzen nicht zunichte machen lassen will. Mit der Folge eines erneuten Druckes und daraus entstehenden Attacken. Wie weiter oben schon erwähnt – eine weitere Negativspirale. 
Ich bin jedoch in der glücklichen Situation, einen tollen, verständnisvollen und sozial eingestellten Arbeitgeber zu haben, der seine Mitarbeiter in schwierigen Situationen unterstützt. Für einen Betroffenen ist das eine grosse Erleichterung und schafft eine Vertrauensbasis auf beiden Seiten. Es lohnt sich also, als Mitarbeiter und als Unternehmen an einem Seil zu ziehen und diese Gesundheitsproblematik an der Wurzel anzupacken. Nicht nur die Mitarbeiterzufriedenheit, auch die Produktivität, die Teamatmossphäre und schlussendlich der Unternehmenserfolg profitieren davon.

Perform now, change forever!

Quelle: Buch Migräne & Kopfschmerzen, Reto Agosti, Karger Verlag Bildquelle: Pixabay.com

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Bildquelle: Pixabay.com
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