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Im Artikel «Migräne in der Wirtschaft» habe ich mit ein paar Zahlen und Fakten jongliert und die ökonomische Seite beleuchtet.
Ich wurde nicht wenig auf diesen Post angesprochen und hörte aus den Gesprächen heraus, dass konkrete Massnahmen eine Schwierigkeit darstellt. Das gab mir neuen Grübelstoff, was schlussendlich zu neuem Lesestoff für dich führt.

Migräne in der Wirtschaft, die Praxis – Das kann im Unternehmen unternommen werden

Wenn du den Artikel noch ein bisschen präsent oder vorhin gerade nochmals überflogen hast, fragst du dich vielleicht gerade, was du aktiv gegen die Problematik tun kannst. Sei dies als Unternehmer bzw. Arbeitgeber oder als betroffener Arbeitnehmer. Es stellt sich natürlich auch immer die Frage, welche Rahmenbedingungen gestellt sind. Viele Möglichkeiten bestehen, um die Arbeitsausfälle zu minimieren aber nicht alle können ausgeschöpft werden, weil es gewisse Umstände nicht zulassen. Aus diesem Grund solltest du zuerst überlegen, in welchem Rahmen eine Intervention möglich ist. Auch kann ich dir sagen, dass du nicht das ganze Unternehmen auf den Kopf stellen musst. Einem Betroffenen ist schon sehr viel geholfen, wenn Verständnis aufgebracht wird. Trotzdem möchte ich dir ein paar Strategien aufzeigen, die beiden Parteien entgegenkommt. 

Verständnis aufbringen
Auf einem Migräniker lastet extrem viel Druck. Er möchte bei seiner Arbeit die genau gleichen Leistungen erbringen, wie die Arbeitskollegen. Es soll eine möglichst geringe Anzahl an Fehltagen bestehen und tief im inneren brodelt die Angst, die Arbeitsstelle aufgrund seiner Attackenhäufigkeit oder dem Abfall seiner Leistungen ganz zu verlieren.
Als Arbeitgeber kannst du ihm eine grosse Portion Druck von den Schultern nehmen, indem du ihm Verständnis entgegenbringst. Ich sage nicht, dass du den Betroffenen mit Samthandschuhen verhätscheln musst. Das wollen wir nicht. Aber wenn du selbst nicht von diesem Schmerzensbild betroffen bist, dann kannst du dich einmal vertieft darüber informieren, wie es einem Brummschädelpatienten geht. Oder du stöberst einfach ein bisschen in diesem Blog und erkennst, was Sache ist. 

Nicht selten werden Migräniker oder Betroffene mit chronischem Brummschädel als Simulanten oder als Schmerzempfindliche dargestellt. Ich verspreche dir eines: Das Letzte, was ein Migräniker tut, ist eine solche Attacke vorzutäuschen. Wir sind sehr gewissenhafte Menschen und möchten den Erwartungen in der Arbeitswelt gerecht werden. Da würden wir uns bei einer Vortäuschung ins eigene Fleisch schneiden. Wenn`s schmerzt, dann wirklich. Sachlage verstanden?  

Workshop zur Aufklärung
Es ist von grosser Bedeutung, dass alle so gut es geht über die Situation aufgeklärt sind. Dies gelingt mit einem Workshop sehr gut. Dabei werden wichtige Informationen vermittelt, Strategien zur Prävention entwickelt und der Teamgeist gefördert.
Der Workshop bietet sich als ideales Instrument an, um die Teamkollegen des Betroffenen aber auch ihn selbst ausführlich aufzuklären. Allfällige Unstimmigkeiten und Anspannungen werden so gelöst und für die Zukunft verhindert. Weiteres hat der Betroffene hier die Möglichkeit, seine Sicht vorzustellen und die Arbeitskollegen in seine Perspektive eintauchen zu lassen. Auch das nimmt viel Druck von den Schultern und öffnet den Mitarbeitenden ein neues Fenster zum Verständnis und dessen Umgang.
Das Vertrauen auf beiden Seiten wird aufgebaut bzw. gestärkt, indem die Problematik ganzheitlich und sachgemäss erarbeitet wird.

Rückzugsmöglichkeit bieten
Wir Migräniker kennen unsere Attacken in der Regel sehr gut. Es ist uns möglich, erste Anzeichen eines kommenden Anfalls zu erkennen und wir wissen, was uns jetzt gerade gut tun würde.
Solch eine Attacke kann mehrere Stunden oder auch Tage andauern. Aber bei schneller und korrekter Handlung wird sehr viel Zeit gespart. Voraussetzung dafür ist die bestehende Möglichkeit. Der Betroffene ist seinem Arbeitgeber sehr dankbar, wenn er eine Rückzugsmöglichkeit erhält.
In der Regel wirken die Medikamente in einem Akutfall ziemlich schnell. Gelingt es dem Betroffenen, sich für 30 bis 60 Minuten hinzulegen und auszuruhen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er danach wieder Arbeiten kann und somit nicht nach Hause gehen muss.
Ein Ruheraum mit einem entsprechenden Liegeplatz bietet sich als geeignete Lösung an. Auch hier ist es natürlich Voraussetzung, dass genügend Platz verfügbar ist.

Präventive Massnahmen einführen
Das Betriebliche Gesundheitsmanagement hat in den letzten paar Jahren nicht ohne Grund einen immer grösseren Stellenwert innerhalb eines Unternehmens eingenommen. Es werden enorme Kosten eingespart, die Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitsproduktivität steigern sich und der Unternehmensgewinn zaubert glückliche Gesichter her.
Im Rahmen eines solchen Projektes können Massnahmen entwickelt werden, die zu einer Minderung der Attackenhäufigkeit und somit des Arbeitsausfalles führen.
Des Weiteren wird der allgemeine Gesundheitszustand aller Mitarbeiter stark gefördert. Um nur mal ein paar Beispiele zu nennen:

  • Möglichkeiten zur Entspannung in der Mittagspause (Yoga, Autogenes Training etc.)
  • Klare Regelung der Stellvertretung und der Aufgabenverteilung
  • Ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz
  • Reduktion von Stress- und Lärmsituationen
  • Gut gelüftete Räume oder Möglichkeit auf kurze Pauseneinheiten an der frischen Luft
  • Regelmässiger Austausch innerhalb des Teams für neue Inputs/Anregungen

Auch hier eignet sich ein Workshop mit dem gesamten Team sehr gut. Jeder hat die Chance, sich einzubringen und seine Ideen kundzutun. Die Betroffenen werden integriert und gewinnen an Sicherheit. Sie können lernen, ihre Attacken nicht verstecken zu müssen und bauen auf eine klare Kommunikation auf.

Zusammenarbeit mit externen Fachpersonen
Manchmal tauchen Fragen oder Situationen auf, bei denen niemand innerhalb des Unternehmens fachkundig handeln kann. Dann ist es wertvoll eine Ansprechperson zu haben, die darauf spezialisiert ist. Ein Coach zum Beispiel. Viele Coaches spezialisieren sich auf ein Gebiet und sind darin richtig, richtig gut.
Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass viel Wissen zum Themenbereich Kopfschmerz / Migräne und auch viel Wissen über sich selbst nötig ist, um nicht noch mehr ins Rudern zu kommen. Damit meine ich: Wir eignen uns in all den Jahren viel an Wissen an. Dennoch können wir nicht auf alles eine Antwort haben oder geraten in Situationen, in denen wir plötzlich unsicher werden. Nicht selten kommt es vor, dass unser Selbstvertrauen stark geknickt ist. Ein Coach arbeitet mit Instrumenten, die es den Betroffenen ermöglichen, wieder Sicherheit zu erlangen. Weiter hat er ein breites Netzwerk und ist mit Experten in Kontakt, die für fachliche Fragen oder Anliegen geeignete Strategien entwickeln. Betroffenen fällt auch vielmals ein grosser Stein vom Herzen, wenn sie einfach mal die Seele aus dem Leib reden können. 
Ein Coach kann auch dem Unternehmen eine enorm grosse Hilfe sein. Besonders im Umgang mit den Betroffenen oder mit der gesamten Teamentwicklung bietet er mit seiner Kompetenz und Erfahrung stimmige Lösungen an. 

Der Coach:

  • Steht neutral zur Situation
  • Begleitet und fördert die Fähigkeiten eines Betroffenen
  • Arbeitet mit weiteren Experten zusammen und kennt Anlaufstellen zur Klärung weiterer Anliegen
  • Ist Spezialist in seinem Fach

Offene Kommunikation fördern
Eine grosse Anzahl von uns Betroffenen sind in sich gekehrte und zurückhaltende Menschen. Weiss ich aus eigener Erfahrung. Zähle mich ohne Zweifel auch dazu. Wir lassen uns die Schmerzen ungerne ansehen und sprechen einen (kommenden) Anfall kaum an. Im Gegenteil, wir versuchen es mit allen Mitteln zu überspielen oder einfach nicht anmerken zu lassen. Die Gründe dafür sind ziemlich einfach: Wir wollen bei unseren Arbeitskollegen nicht als Simulanten oder „Weicheier“ dastehen.
Wer in der Dienstleistungsbranche arbeitet, möchte den Kunden gegenüber als kompetente und leistungsfähige Fachperson glänzen und last but not least kämpfen wir im Innern dafür, keinen Leistungsabfall kenntlich zu machen und somit die Arbeitsqualität auf gleichem Level zu halten wie sonst. All diese Faktoren lassen in uns aber einen noch grösseren Druck wachsen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir ihm nicht mehr standhalten können und dann erst recht kapitulieren müssen.
​Dem können wir entgegenwirken, in dem wir innerhalb des Unternehmens eine klare, offene Kommunikation fördern. Die Vorgesetzten und Teamkollegen sollten über allfällige Einschränkungen innerhalb des gesamten Teams informiert und aufgeklärt werden. Nobody`s perfect. Die Information ist wichtig, damit Missverständnisse und bestehende Vorurteile aus dem Raum geschaffen werden können. Die Aufklärung ist wichtig, damit sowohl Betroffene als auch umliegende Personen in Zukunft wissen, wie sie handeln sollen und sich gegenseitig unterstützen können.

Vielleicht arbeitest du ebenfalls in einem Unternehmen mit Betroffenen? Hast du schon positive, produktive Erfahrungen sammeln dürfen? Wie geht ihr innerhalb des Unternehmens mit dieser Situation um? Bestehen klare Sachverhältnisse? 

​Perform now, change forever!

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