Verdammt, da hab ich mir wieder was aufgegabelt. Aber das passiert mir immer mal wieder. Bis jetzt hat`s noch immer irgendwie funktioniert. So wird es auch dieses Mal sein. Gehe ich zumindest davon aus. 
Von nix kommt nix, also fangen wir am besten an.

15-20% der Menschen sind betroffen. Viele wissen es nicht einmal, dass sie es sind. Sie erkennen zwar, dass sie vielleicht „etwas anders“ sind als andere, aber was das ist, können sie nicht genau beschreiben. Bis zu dem Zeitpunkt, in dem sie dann davon hören, lesen oder sehen. Dann geht bei den meisten ein Licht auf und das Brodeln beginnt. 
Und gerade weil sie diese Eigenschaften besitzen, sind viele von ihnen auch von einem regelmässigen Brummschädel betroffen. Bei weitem nicht alle, aber viele. 
Es ist ein Themenbereich, der mich schon sehr lange beschäftigt. Nicht zuletzt, weil er mich selbst schon mein Leben lang begleitet. Meines Erachtens nach ist es gerade im Zusammenhang mit Kopfschmerzen und Migräne eine komplexe Materie, an die ich mich bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht richtig herantraute. Doch habe ich schon mit vielen Sprüngen ins kalte Wasser, sehr gut schwimmen gelernt. 

Hochsensibilität und Kopfschmerzen.
Um das geht es im heutigen Artikel.
Was geht dir jetzt als Erstes durch den Kopf? 
Kannst du mit diesen beiden Begriffen jetzt in diesem Moment etwas anfangen?
Dieser Artikel wird allen Betroffenen gewidmet. 
Ich möchte dir heute eine Sichtweise mitgeben, die dir ein Verständnis für dich selbst und deine Fähigkeiten aufzeigen. Auch sollst du am Ende des Gelesenen hilfreiche Inputs für deinen Alltag oder noch besser, gegen deine Beschwerden, erhalten. Weiteres sollst du, falls du nicht betroffen bist, einen Einblick in diese Welt erhalten. Du darfst erkennen, was in solch einem Menschen vorgehen kann und wie du als Umfeld handeln könntest.

Bevor ich mit der Aufklärungsarbeit beginne, habe ich eine Aufgabe für dich. Überlege dir bitte einmal was „Hochsensibilität“ für dich ist. Mit was assoziierst du dieses Wort? Und jetzt überlege dir, in welchem Zusammenhang dies mit Kopfschmerzen stehen kann.

Hochsensibilität – was ist das?
Du bist nicht verrückt. Du bist auch nicht überempfindlich. Vielmehr ist es dein Nervensystem, welches die Eigenschaft hat, den Verarbeitungsprozess von Informationen und äusseren Einflüssen etwas anders ablaufen zu lassen, als dies bei anderen Menschen der Fall ist. Die Eindrücke, die wir erhalten, werden von mehreren feinen „Fangnetzen“ gefiltert und verarbeitet. Während dies bei der Mehrheit die etwas groberen Löcher im Netz sind, sind bei uns die Lücken etwas kleiner.  
Beim Betreten eines Raumes nehmen wir Details wahr, die gerne übersehen werden. In Kontakt mit Menschen haben wir die Fähigkeit, das Gegenüber und seine Empfindungen zu spüren. Geräusche, Lichter und Gerüche können intensiver wirken. Das alles hat mit unserem Nervensystem zu tun. Wir haben deshalb nicht mehr Nervenzellen oder andere Organe, es ist der Abwicklungsprozess, der etwas komplexer abläuft. 
Ohne zu tief ins Detail der Materie zu gehen, kannst du dies als eine allgemeine Definition von Hochsensibilität anerkennen. 

Der Alltag als hochsensibler Mensch
Aufgrund dieser oben genannten Fakten, nehmen wir den Alltag auch intensiv wahr. Das kann manchmal sehr anstrengend sein, weil wir sehr viele Reize, die über den gesamten Tagesablauf gesammelt werden, irgendwann verarbeiten müssen. Wir bekommen deshalb auch zugesagt, dass wir für diesen Verarbeitungsprozess etwas mehr Zeit benötigen, als es andere brauchen. Das ist völlig okay. Solange du dir diese Zeit auch gönnst. Und das rate ich dir von ganzem Herzen. Anderernfalls kommt es früher oder später zu einem Reizüberfluss und es machen sich dann Nebenwirkungen bemerkbar. Um nur mal eine zu nennen: Ein Brummschädel. Wortwörtlich. 
„Ich brauche mehr Zeit als die anderen? Das kann doch nicht sein. Ich bin intelligent.“ Das hat absolut nichts mit Intelligenz oder dergleichen zu tun. Aber nutze diese doch jetzt gleich um nachzurechnen: Du bekommst in der gleichen Zeit, wie dein nicht-hochsensibler-Kollege drei mal mehr Informationen als dieser und die Informationen gleiten zwar durch den selben Weg innerhalb deines Nervensystems wie bei ihm, müssen aber mehrmals eine Nebenstrasse passieren, bis sie das Ziel erreicht haben. Das braucht doch nun mal mehr Zeit.
Aufgrund der alltäglichen Reizfaktoren neigst du dazu, mit innerer Spannung durch den Tag zu gehen und so zu arbeiten. Innere Spannung bedeutet unter anderem auch Muskelspannung und Spritzen mit Adrenalin. Günstige Elemente um einen Brummschädel hervorzurufen.     

Nimm deine Fähigkeiten an
Viele Betroffene haben am Anfang damit zu kämpfen, diese Charaktereigenschaft zu akzeptieren. Es braucht viel Energie und Kraft, insbesondere dann wenn wir viel mit Menschen zu tun haben. Die Abgrenzung fällt uns sehr schwer. Wir grübeln über die Eindrücke, die wir im Verlaufe des Tages erhalten haben und werden schneller müde bei Aktivitäten wie ein Familienanlass, dem Einkaufen etc. Das macht uns am meisten zu schaffen. Ist das aber auch so, wenn ein geeigneter Gegenpol zur Balance hergestellt wird? Wenn du lernst, dich abzugrenzen und wenn du eine für dich passende Energietankstelle gefunden hast, lernst du die tollen Fähigkeiten erst richtig gut kennen. JA, es ist möglich sich abzugrenzen und JA, es ist möglich die Balance zu finden. Es muss dir wichtig sein, das zu haben. So kannst du dich aufs Wesentliche konzentrieren. Nämlich das Arbeiten MIT deinen Fähigkeiten.
Sei dir bewusst, wie gut du auf deine Mitmenschen eingehen kannst. Das dank deiner Feinfühligkeit. Sei dir bewusst, dass du in Gesprächen oder bei Strategiearbeiten eine andere Perspektive einnehmen kannst. Das dank deinem Blick fürs Detail. Sei dir bewusst, dass du solche Faktoren nicht erlernen musst, sondern dass du sie in deiner Natur bereits besitzt. Nutze doch deine Feinfühligkeit, um zu erkennen, was für dich selbst wirklich wichtig ist. Nutze dein Blick fürs Detail um dir deine persönliche Strategie zur Balance zu erarbeiten. Wenn du das einmal erkannt hast, stellst du fest, dass du dein eigener Coach sein kannst. Ein verdammt guter Coach. 

Diese Tricks können dich unterstützen
Viel Gelaber und noch nichts an die Hand bekommen? Naja zumal noch nichts Praktizierendes. Aber als hochsensible Person kannst du ja auch zwischen den Zeilen lesen 😉 Nichts desto trotz möchte ich dir im folgenden Abschnitt einige kleine Inputs geben, die dich in deinem Alltag unterstützen können. Einige davon führe ich selbst aus. Wie es sich bei vielen solchen Tipp-Artikeln abspielt, geht es auch hier darum, dass du dir die für dich passenden Strategien heraussuchst oder dich inspirieren lässt, damit du deine eigene „Strategie“ erstellen kannst.

Trick #1: Akzeptiere dich.
Und da scheitert`s schon bei den meisten von uns. Definitiv. Ich habe schon ziemlich viele Gespräche mit verschiedenen Menschen führen dürfen und im Verlaufe des Gesprächs hat sich immer wieder herausgestellt, dass sich diese Menschen noch nicht zu 100% akzeptiert haben. Wie kannst du eine Situation oder eine wundervolle Fähigkeit an dir annehmen, wenn du dich selbst als Mensch nicht akzeptierst? Das ist genau das Gleiche, wie wenn du deinen kranken Partner gesund pflegen willst, aber gerade selbst mit einer Migräne zu kämpfen hast. Geht nicht, ist nicht. 
Akzeptiere dich als Mensch. Sei dir deinen Fähigkeiten und deinem Können bewusst. Nimm deine Schwächen an und sehe es als Chance, dich noch im einen oder anderen Bereich entwickeln zu dürfen.

Trick #2: Finde deinen Weg zur Balance.
Es ist von grosser Bedeutung, dass wir stets im Gleichgewicht sind. Wenn du durstig bist, ist dein Wasserhaushalt im Körper aus dem Gleichgewicht gerutscht. Wenn du krank bist, ist dein Immunsystem aus dem Gleichgewicht gefallen. So verhält es sich auch mit uns als Persönlichkeit. Im heutigen Zeitalter sowieso ein ganz grosses Problem. Ein Krankmacher! Ein zusätzlicher Risikofaktor für hochsensible Menschen. Mach dir einmal wirklich Gedanken darüber, was dich ausgleichen kann. Ein Hobby? Zeichnen? Nähen? Basteln? Wir sind kreativ. Wir neigen dazu, bei kreativen Arbeiten so richtig aufzugehen. Vielleicht sollte es etwas sein, dass dich nicht auch noch zusätzlich irgendwelchen Reizen ausliefert. Wenn du diese Balance gefunden hast, baue diese umgehend in deinen Alltag ein. Nach der Arbeit, vor der Arbeit, der Zeitpunkt bestimmst du. 
Meditation eignet sich übrigens ausgezeichnet, um die innere Balance wieder herzustellen. Auch lernst du dabei, dich mit Achtsamkeit zu behandeln, wobei wir hier wieder bei der Akzeptanz sind. 

Trick #3: Arbeite mit persönlichen Nuancen
Wenn du schon die Fähigkeit hast, intensiv wahrzunehmen, dann nutze das als eine Chance. Es ist erwiesen, dass wir auf bestimmte Einflussfaktoren vielleicht nicht gerade beim ersten Mal aber spätestens beim 12 Mal beeinflusst werden. Da du eine Spürnase für Details hast, kannst du dir solche selbst platzieren und dich beeinflussen lassen. Für Hochsensible und solche mit einem Brummschädel ist es wichtig, dass wir während unserem Tag immer mal wieder kleine Ruhepausen einlegen können. Bei guter Konditionierung können wir schon in einen Ruhestatus versetzt werden, wenn wir das richtige Bild sehen. Hast du ein Foto, dass dich persönlich beruhigt? Vielleicht von deinen letzten Ferien am Strand? Hast du bereits schon mit Mentaltechniken gearbeitet und dir dein eigenes Ruhebild erstellt? Dann hänge dieses für dich gut ersichtlich an deinem Arbeitsplatz auf. Das kann auch ein für dich stimmiges Zitat sein. Oder ein Duftsäckchen, was auch immer. Indem du das während den acht Arbeitsstunden immer und immer wieder siehst, liest oder riechst wirst du beeinflusst. 
Das kannst und solltest du natürlich auch Zuhause fortführen. 

Trick #4: Ordne deine Gedanken
Ich sag`s dir, das wirkt Wunder. 
Du hast ständig irgendwelche Gedanken, Ideen, Grübeleien im Kopf, die Achterbahn fahren. Auch das benötigt Energie und kratzt an deiner Konzentrationsfähigkeit. Sie sind meistens dann aktiv, wenn du es am wenigsten gebrauchen kannst. Das lässt dich innerlich wieder unter Spannung versetzten, dein Kopf glüht. 
Wenn du das über einen längeren Zeitraum durchgehen lässt, kommen da einige Dinge zusammen. Am Schluss fühlt es sich nach einem übergrossen Bienenschwarm an. 
Nimm dir mal die Zeit, deine Gedanken richtig zu ordnen. Du wirst dafür mindestens zwei Stunden benötigen. Plane dir das mal in deinen Kalender ein und zieh das durch. Verschaffe dir eine Struktur und platziere deine Gedanken darin. Vielleicht mit einem Mindmap? Auf Karteikärtchen? Oder du gestaltest daraus ein Bild? Es soll etwas sein, womit du am Schluss zufrieden bist. Das hat einen enorm positiven Einfluss auf dich. Dadurch hast du in Zukunft kein unübersichtlicher Bienenschwarm mehr, sondern ein strukturiertes Bild in deinem Kopf. Und wenn mal wieder neue Gedanken und Grübeleien dazukommen, werden sich diese automatisch in die Struktur einpflanzen.

Trick #5: Gehe an die frische Luft
Zieh dich gar nicht erst aus wenn du von der Arbeit kommst. Leg deine Handtasche ab und geh gleich wieder raus. Raus an die frische Luft und mache einen mindestens 30 minütigen Spaziergang. Wenn du eine sitzende Tätigkeit hast, bekommst du hierbei einen tollen Ausgleich und kannst dich auftanken. Der psychologische Effekt dabei liegt darin, dass du die „Lasten“ aus deinem Alltag nicht mit Nachhause und in dein Wohnzimmer nimmst, sondern du ladest diese draussen ab. Das passiert automatisch. Es ist von Vorteil, wenn du dich in einen Wald begibst. Im Wald bist du von äusseren Reizen abgeschirmt und du erhältst aus allen Ecken wieder Energie und Festigkeit. Der Wald überträgt dir eine gewisse Balance, da die Bäume geerdet sind. Und wie ich dir oben schon erläutert habe, hast du die Fähigkeit sehr viel zu spüren und aufzunehmen, also wird das auch hierbei passieren 😉
Dass bei einem Brummschädel die frische Luft viel bewirken kann, muss ich dir ja nicht noch einmal von vorne erklären.

Trick #6: Platziere Duftkerzen
Auch Düfte nehmen wir extrem gut wahr. Spüre ich an mir selbst auch sehr gut. Bei gewissen Parfüms geht mein Brummschädel in Sekundenschnelle an. Andersrum komme ich bei spezifischen anderen Düften sofort zur Ruhe. Das wird bei dir wahrscheinlich nicht anders sein. Deshalb kann dich eine Duftkerze oder ein Räucherstäbchen oder dergleichen sehr gut unterstützen. Diese kannst du ablassen, wenn du zum Beispiel deinem neuen Hobby nachgehst. Oder wenn du nach deinem Spaziergang Zuhause angekommen bist.
Lavendel bewährt sich in diesem Fall. Er hat eine beruhigende Wirkung und ist ein eher dezenter Duft. Achte darauf, dass er nicht zu stark ist. Vanille kann da schon wieder kritisch sein. Erdbeere oder Minze hingegen können sich auch eignen. Ich kann dir den Duft nicht vorschreiben, das solltest du für dich selbst herausfinden. Probiere am besten mehrere mal aus. Ich sag`s nochmals: Dank deinem Gespür wirst du schnell herausfinden, was dir gut tut. 
Ziemlich cool, wie du dir selbst extrem viel helfen kannst, oder? 😉 

Trick #8: Feierabend-Kiste / Gedanken-Kiste
Mache einen bewussten Tagesabschluss. Es kreisen vermutlich noch viele Gedanken in deinem Kopf herum, die dich tagsüber erreicht haben. Wenn sich diese noch nicht richtig in deine neue Struktur einordnen wollen, dann versorge sie vorerst in einer Kiste. Nimm dir vor dem Schlafengehen etwa 15 Minuten Zeit und schreibe noch alles auf, was dich jetzt noch beschäftigt. Auch das kannst du auf Karteikärtchen oder auf einem ganzen Blatt mittels einem Bild o.ä. machen. Wenn du alles aufgeschrieben hast, lege das Papier in eine Kiste und versorge diese an einen abgestimmten Platz. Wichtig: Die Kiste befindet sich nicht im gleichen Raum, in dem du schläfst. 
Auch wichtig: Schreibe wirklich ALLES auf. Gedanken, Ideen, Reize, die dich gestört haben, einfach ALLES. 

Trick #9: Sei ein Warmduscher
Während deinem Spaziergang hast du schon viel abladen können. Den Anstandsresten wirst du spätestens jetzt mit der Dusche wegspülen. Das ist ein Grund, weshalb du (auch) abends duschen solltest. Nimm dir Zeit für deine Dusche und führe es mit warmen Wasser durch. Vielleicht möchtest du auch jetzt nochmals eine Duftkerze anzünden. Wozu brauchts da noch einen Spa?…… 😃 
Das warme Wasser wird deine angespannte Muskulatur lösen und hat einen beruhigenden Effekt. Die Zeit brauchst du, damit sich die Wirkung ausbreiten kann. Natürlich ist auch nichts gegen ein Bad einzuwenden. Auch da wirst du selbst entscheiden, was für dich geeignet ist.            

Überlege dir bitte jetzt noch einmal was Hochsensibilität für dich ist. Mit was assoziierst du es jetzt? Welche Schritte möchtest du als nächstes einleiten? 

​Ich möchte es nicht unterlassen, anzumerken, dass dies ein sehr grosses und tiefes Thema ist. In diesem Artikel habe ich es lediglich an der Oberfläche angekratzt, alles andere hätte den Rahmen um ein Weites gesprengt. Wenn du mehr darüber erfahren willst, rate ich dir zu folgenden Lektüren:
Leben mit Hochsensibilität von Susan Marletta-Hart
Zart besaitet von Georg Parlow
Werke von Dr. phil. Elaine Aron 

Spürst du noch oder lebst du schon?

Perform now, change forever!

hochsensibel
larissa

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